La Réunion – eine zu Unrecht wenig bekannte Insel

La Réunion – eine zu Unrecht wenig bekannte Insel

Drei Monate im Rahmen meines Studiums International Tourism Management für ein Praktikum nach La Réunion. So war der Stand Anfang 2019. Jetzt, Mitte November ist mein Aufenthalt bei Horizon Réunion auf La Réunion fast vorbei und ich habe diese Entscheidung nicht bereut. Ganz im Gegenteil! Ich habe Land und Leute kennenlernen dürfen und viele schöne Erfahrungen sammeln können.

La Réunion

La Réunion ist ein zu Frankreich gehörendes Département d’outre mer (Überseegebiet) im Indischen Ozean. Dies sagt den meisten erst einmal nicht viel, ist die Insel den meisten kein Begriff. Dabei befindet sie sich nur 45 Minuten mit dem Flugzeug von Mauritius oder 1h40 von Madagaskar entfernt an der Südwestküste Afrikas.

Auch wenn La Réunion ein Teil Frankreichs ist, ist sie es doch auch wieder nicht. Die Kultur ist durch verschiedenste Einflüsse geprägt, die durch die Koexistenz diverser ethischer Gruppen entstanden sind. So finden Sie hier die „Créoles“, die „Malbars“, die „Yabs“ (Weiße), die „Zoreils“ (Metropolfrankreich), die „Zarabes“ (Araber) und die „Chinois“ (Chinesen). Dabei machen die Créoles (ursprünglich aus Afrika) und die Malbars (ursprünglich aus Indien) den größten Anteil der Bevölkerung aus. Über die Zeit ist so auch der kreolische Dialekt entstanden, der von vielen auf der Insel gesprochen wird. La Réunion ist für sein friedliches Zusammenleben der Kulturen bekannt. Dem kann ich nur zustimmen. Während meiner Zeit hier ist mir vor allem die Akzeptanz der Inselbewohner aufgefallen. Es ist ganz egal, woher du stammst und welche Farbe deine Haut hat, du wirst akzeptiert. Zudem vermischen sich die Kulturen miteinander und bleiben nicht unter sich.

Zwischen Bergen und Meer

An Landschaft ist die Insel kaum zu überbieten. Es gibt drei Talkessel: Salazie, Mafate und Cilaos, die zum wandern einladen. Dabei ist der Talkessel von Mafate das Paradies für Wanderer. Bis heute ist dieser nur zu Fuß erreichbar, es gibt keine einzige Straße. Die Bewohner von Mafate müssen sich die Einkäufe per Hubschrauber liefern lassen und sind mehrere Stunden unterwegs, um zum nächsten Supermarkt zu gelangen. Während der Wanderungen fliegen also oftmals Hubschrauber über einen hinweg, die Nahrungsmittel liefern. Bei einer Wanderung flog einmal eine Waschmaschine über meinen Kopf hinweg.

Abgesehen von den drei Talkesseln gibt es auch den Vulkan Piton de la Fournaise, einen der aktivsten Vulkane weltweit, mit seiner mondähnlichen Landschaft Plaine des Sables“. Wenn Sie Glück haben, können Sie sogar einen Ausbruch beobachten. Dieses Jahr ist der Vulkan bereits viermal ausgebrochen und hat den Schaulustigen ein atemberaubendes Spektakel geboten.

Das Dach des Indischen Ozeans sollten Sie nicht vergessen. Damit ist der Berg Piton des Neiges gemeint, der mit 3069m den höchsten Punkt auf der Insel und im gesamten Indischen Ozean darstellt. Übernachten Sie in einer Berghütte und stehen Sie mitten in der Nacht auf, um zum Gipfel hinaufzusteigen und die Sonne über der Insel aufgehen zu sehen. Danach erwartet Sie in der Berghütte das wohlverdiente Frühstück.

Durch die vorhandene Landschaft gibt es entsprechend auch viele Wanderwege. Auf dem GRR2 können Sie in rund zwei Wochen die Insel von Nord nach Süd überqueren. Wem dies zu lang ist, der kann auch 3-Tages-Wanderungen machen, zum Beispiel im Talkessel von Mafate. Wer zögert, längere Wanderungen zu machen oder diese nicht alleine durchführen möchte, kann unter anderem über das Bureau Montagne geführte Tageswanderungen buchen. Die Touren sind teilweise auch auf Deutsch und Englisch möglich. Die gewünschte Sprache sollte also bei der Buchung mit angegeben werden.

Für Wanderbegeisterte ist die Diagonale des Fous sicherlich ein interessantes Spektakel. Jedes Jahr im Oktober findet für ein Wochenende die Grand Raid statt, bei der verschiedene Parcours angebotenen werden. Dabei ist die längste Strecke 165km lang und nennt sich die Diagonale des Fous. Dabei laufen die Teilnehmer von Saint-Pierre über die Talkessel bis nach Saint-Denis. Der diesjährige Winner benötigte dafür nur 23 Stunden und 33 Minuten.

Natürlich hat die Insel viel mehr zu bieten als nur die Berge. Wenn Sie sich nicht für Wanderungen interessieren, gibt es immer noch genug zu entdecken. An der Westküste gibt es viele Stränden, an denen Sie schwimmen und beim Schnorcheln tropische Fische bestaunen können. Die Lagunen sind hier durch Korallen, die eine natürlich Barriere bilden, vor Haiangriffen geschützt. Zudem wird an jedem Strand durch Schilder angegeben, ob das Schwimmen erlaubt ist. An einigen Stränden, an denen das Baden nicht erlaubt ist, wurden extra Becken angelegt.

Mit Bergen und Meer ist also auf der Insel für jeden etwas dabei.

Die perfekte Reisezeit, um die Insel am besten zu entdecken

Ein weiterer Punkt, der für La Réunion spricht, ist dass die Insel aufgrund ihrer Unbekanntheit noch nicht touristisch überlaufen ist. Selbst in der lokalen Hochsaison im Oktober und November ist es für europäische Maßstäbe nicht sehr voll und Sie treffen nicht an jeder Straßenecke auf Deutsche. Generell sind die Monate von April bis Anfang Dezember ein guter Zeitraum, um auf die Insel zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt ist es nicht zu warm und die Regenzeit hat noch nicht begonnen. Außerdem beginnt im Oktober, die Fauna auf der Insel zu blühen, was sehr schön anzusehen ist und im November beginnt die Saison der Litschis, Mangos, Granadillas und Passionsfrüchte.

An den Straßenrändern sind oftmals kleine Stände zu finden, an denen lokales Obst und Gemüse zu geringen Preisen erworben werden kann. Obst und Gemüse sollten an diesen Ständen oder auf den Märkten der Insel gekauft werden, da das Angebot auf diesen größer und die Preise günstiger sind als im Supermarkt. In Saint-Pierre findet samstagmorgens der lebhafte Marché Forain statt, einer der größten und schönsten Wochenmärkte der Insel. Hier können lokales Obst und Gemüse sowie lokales Kunsthandwerk erworben erwerben. In Saint-Paul gibt es freitags und samstags ebenfalls einen sehr schönen Wochenmarkt. Die Märkte sind nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Es herrscht ein reges Treiben und die Stimmung ist eine ganz andere.

Apropros Klima: auf der Insel herrschen um die 200 Mikroklimate. An der Küste kann Ihnen bei 25°C warm sein. Wenn Sie sich eine Stunden später in den höheren Lagen der Insel befinden, sind es plötzlich nur noch 15°C. Eine Sache, die ich während meines Aufenthaltes gelernt habe, ist mich nicht auf den Wetterbericht zu verlassen. Selbst 24h vorher, ist der Bericht nicht aussagekräftig, da sich das Wetter ständig ändert. Generell sollten Wanderungen früh morgens angefangen werden, damit am Himmel noch keine Wolken zu sehen sind und die Sicht am besten ist.

Die Reunionesen

Die meisten Bewohner der Insel sprechen nur Französisch und weder Deutsch noch Englisch. Touren und Rundführungen sind oftmals nur auf Englisch möglich, wenn überhaupt. Wenn Sie ein bisschen Französisch sprechen, bringt Ihnen dies viel vor Ort. Aber selbst ohne Sprachkenntnisse klappt die Verständigung meistens ohne Probleme. Wenn nichts mehr funktioniert, helfen immer noch Hände und Füße! Außerdem können Sie auch ohne Sprachverständnis genug von der lokalen Kultur aufnehmen.

Die Reunionesen selbst verfügen über eine offene und hilfsbereite Art. Am Wochenende treffen Sie sich oft in größeren Gruppen am Strand und picknicken gemeinsam. Während meiner Zeit auf der Insel habe ich viel von der herzlichen Art der Reunionesen und meinen Kollegen profitiert. Ich wurde zu Aperitifs eingeladen, zu hinduistischen Veranstaltungen in den Tempel mitgenommen, habe den Umzug des Festes Diwali im Zentrum von Saint-Pierre sehen können und habe so einen Einblick in die Kultur der Inselbewohner erhalten.

Aktivitäten

La Réunion selbst ist nicht sehr groß, bietet Reisenden dafür aber ein umfangreiches Angebot an Aktivitäten. Buchen Sie eine Bootstour und beobachten Sie Wale und Delfine (von Juli bis September), gehen Sie tauchen und beobachten dabei tropische Fische oder lassen Sie sich von Rindern beim Sonnenuntergang durch die Zuckerrohrfelder von Saint-Pierre ziehen. Für Sport- und Adrenalinbegeisterte besteht die Möglichkeit, eine Canyoning-Tour zu buchen oder mit dem Mountainbike den Maïdo hinunterzufahren.

Mir haben vor allem der Paragliding-Flug in Saint-Leu mit schöner Sicht auf die Lagune und der Besuch der Lavatunnel in Sainte-Rose gefallen. Der zu besichtigende Tunnel aus dem Jahr 2004 ist durch einen ehemaligen Vulkanausbruch entstanden und kann heute in Kleingruppen mit einem Guide besichtigt werden.

Vor allem in der Natur wird viel angeboten. Es gibt aber auch einige Museen auf der Insel. Allen voran sind das Museum Kélonia, eine Schildkröten-Aufzuchtstation, in Saint-Leu und das Museum Cité du Volcan, das Vulkanen im Allgemeinen, aber vor allem dem Piton de la Fournaise gewidmet ist, zu empfehlen.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, La Réunion im Hubschrauber oder Ultraleichtflugzeug zu überfliegen und so innerhalb kürzester Zeit die gesamte Insel von oben zu bestaunen.

La Réunion bietet passende Angebote für die unterschiedlichsten Geschmäcker. Die Zugehörigkeit zu Frankreich bringt bezüglich der Einreisebestimmungen und der genutzten Währung einige Vorteil mit sich. Ich habe meine Zeit hier genossen und bin mir sicher, dass dies vielen anderen auch so gehen wird.

Also, worauf warten Sie?

Katharina.

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